Abassi wand sich auf seinem Platz zwischen den zehn anderen Männern, die an der eintägigen Retraite teilnahmen, die von seinem Freund Dean, einem Mitarbeiter von Frontiers, veranstaltet wurde. Bislang war die Veranstaltung eine gute Gelegenheit gewesen, ihre Erfahrungen als Gläubige mit muslimischem Hintergrund (MBBs) auszutauschen und sich gegenseitig in ihrem Glauben zu ermutigen.
Aber Abassi freute sich nicht auf das Gespräch über den Ramadan. Angesichts der Unruhe einiger anderer Teilnehmer dachte er, dass er vielleicht nicht der Einzige war.
Herausforderungen im Ramadan
Ein anderer MBB meldete sich zu Wort. «Nachdem ich letztes Jahr mein Vertrauen auf Jesus gesetzt hatte, beschloss ich, den Ramadan nicht zu begehen. Ich dachte, das würde mich zu einem mutigen Zeugen für Christus machen. Stattdessen schrien mich meine Freunde und meine Familie an. Selbst diejenigen, die Zweifel am Islam haben, waren wütend auf mich.»
«Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht», erzählte der Mann neben ihm. «Ein Freund, der meinem neuen Glauben gegenüber tolerant schien, wollte plötzlich nichts mehr mit mir zu tun haben.»
Abassi nickte. «Meine Familie ist das ganze Jahr über streng gläubig, daher konnte ich das Fasten nie auslassen. Und das Einzige, was noch schwieriger ist als das Einhalten des Ramadans, ist es aus reiner Pflicht zu tun, obwohl man weiss, dass es keinen Nutzen hat.
Eine neue Perspektive
«Das wäre schwer.» Dean sah sich in der Gruppe um, Verständnis in seinen Augen. «Aber was wäre, wenn wir dieses Jahr alle einen neuen Ansatz versuchen würden? Was wäre, wenn wir fasten würden, als Akt der Liebe zu unseren Mitmenschen? Was wäre, wenn wir diese Zeit nutzen würden, um Gott zu bitten, die Herzen unserer Freunde und Familienmitglieder zu verändern?»
Als er fortfuhr, forderte Dean alle anwesenden Männer auf, darüber zu beten, dem Ramadan einen neuen Sinn zu geben. Am Ende der Veranstaltung spürte Abassi bereits eine Veränderung in seiner Einstellung.
Vom Pflichtgefühl zur Hingabe
Als der islamische Heilige Monat begann, versuchte Abassi sein Bestes, um Gott zu gefallen, wenn auch nicht so, wie er es getan hatte, als er dem Islam folgte. Er wusste, dass er sich keine Vergebung verdienen konnte, indem er eine Reihe von Regeln befolgte, aber er konnte mehr Zeit mit dem Herrn verbringen und für seine Familie beten.
Eines Abends, als Abassi den Sonnenuntergang beobachtete, gesellte sich seine Schwester Kadira zu ihm auf den Balkon.
«Das Iftar ist fertig.» Sie wandte sich um, um wieder ins Haus zu gehen, blieb dann aber in der Tür stehen, als Abassi ihr nicht sofort folgte. «Bist du krank? Normalerweise bist du der Erste am Tisch.»
«Nein», lachte Abassi. «Mir geht es gut. Ich glaube, ich mache mir nicht mehr so viele Gedanken um das Essen wie früher.»
Kadira runzelte misstrauisch die Stirn. «Es gibt keine Belohnung dafür, länger als nötig zu fasten. Oder dafür, so zu tun, als hätte man keinen Hunger.»
«Ich weiss. Darum geht es nicht.» Abassi hielt inne und suchte nach Worten, um die Veränderung in seinem Herzen auszudrücken. «Früher war ich so darauf fixiert, was ich aus dem Ramadan herausholen konnte. Ich habe versucht, Gott zu manipulieren. Um zu sehen, wie viel Vergebung ich verdienen konnte.»
«Wirklich? Letztes Jahr schien es, als würdest du versuchen, so wenig wie möglich zu tun.»
Die Wahrheit in den Worten seiner Schwester traf ihn. «Es war falsch von mir, so zu handeln. Jetzt bin ich dankbar für die zusätzliche Zeit, mich auf Gott zu konzentrieren. Ich möchte eine engere Beziehung zu ihm.»
Das wahre Brot des Lebens
«Beziehung?» Kadira sah ihn verwirrt an. «Was meinst du damit?»
Kaum hatte sie gefragt, ertönten Rufe aus dem Esszimmer, als Abassis Vater sie hereinrief.
Kadira ergriff Abassis Handgelenk und zog ihn sanft an sich. «Warum erklärst du es mir nicht beim Essen?»
Am Tisch erwartete Abassi eine Auswahl verlockender Gerichte, von frischen Datteln über dampfende Suppe bis hin zu saftigem Fleisch. Alles sah köstlich aus, aber Abassi wusste, dass ihn nichts so zufriedenstellen würde wie Jesus.
Christus wurde aus gutem Grund das Brot des Lebens genannt, und er hoffte, dass seine Familie eines Tages bald keinen Hunger mehr leiden würde.
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