Mein Telefon klingelte, und der Name meines Freundes leuchtete auf dem Display auf. Nach über zwanzig Jahren Zusammenarbeit war Dumadi mehr als nur ein Kollege, er war mein bester Freund. Und seine Familie war für mich wie meine eigene geworden.
Ich schob meine Arbeit beiseite und nahm seinen Anruf mit einem Lächeln entgegen. Aber meine Freude verflog, als seine Frau mich mit kaum mehr als einem Flüstern begrüsste. Etwas war schrecklich schiefgelaufen.
«Dumadi hatte einen Unfall», sagte sie mit gebrochener Stimme. «Wir sind jetzt im Krankenhaus, aber ich weiss nicht, ob er wieder gesund wird.»
Ich versuchte, sie zu trösten, aber meine Worte verfehlten ihre Wirkung. Im Laufe der Jahre hatte ich Dumadi oft vom Evangelium erzählt. Er war immer respektvoll gewesen, hatte aber nie Interesse daran gezeigt, Gottes Wort zu studieren oder mehr über Jesus Christus zu erfahren.
Mir wurde übel, als ich mir Sorgen machte, dass ich nie wieder die Gelegenheit haben würde, meinem Freund die Gute Nachricht zu verkünden. Während ich zum Krankenhaus fuhr, betete ich, dass er überleben würde und dass es noch nicht zu spät war.
Zeichen des Wunders
Als ich ankam, war Dumadi bereits in ein Zimmer verlegt worden und sass sogar schon im Bett. Er lächelte, als ich zu ihm eilte, und ich war erleichtert. «Mein Freund, wie geht es dir?»
«Viel besser als meinem Auto», lachte er. Dann zeigte mir seine Frau ein Bild von einem Frontalzusammenstoss zwischen Dumadis kleinem Sedan und einem grossen Lkw. Die Fahrzeuge waren so stark ineinander verkeilt, dass ich kaum erkennen konnte, wo das eine endete und das andere begann.
«Und der andere Fahrer?», fragte ich vorsichtig.
«Er blieb völlig unverletzt.»
Ich staunte und starrte weiter auf das Bild. «Das ist ein Wunder! Gott muss noch mehr Pläne für dich haben.»
Dumadi nickte. «Das glaube ich auch.»
Zuhören und verstehen
In der folgenden Woche besuchte ich meinen Freund jeden Tag und traf eine ganze Reihe seiner Verwandten und Freunde. Wenn die üblichen Höflichkeitsfloskeln erschöpft waren, begann ich, spirituelle Fragen zu stellen und Geschichten aus der Bibel zu erzählen.
Als ich über das Reich Gottes sprach, sagte einer von Dumadis Verwandten, Jesus erinnere ihn an den Raja Gembala, eine legendäre Figur, die seit fast tausend Jahren in dieser Region bekannt ist.
Ich lächelte und nickte. In meinen Studien über diese Kultur hatte ich von einem grossen Hirtenführer erfahren, der seine Schafe beim Namen rief und sein Leben für sie opferte. Seit Jahrhunderten erzählte Dumadis Volksgruppe Geschichten über den Raja Gembala und sein Versprechen, eines Tages als König der Gerechtigkeit zurückzukehren.
Dumadi lächelte wehmütig. «Ich kann es kaum erwarten, dass der Raja Gembala alles in Ordnung bringt.»
Eines Tages, als Dumadi und ich endlich ein paar Minuten für uns hatten, bat ich ihn, mir mehr über den Raja Gembala zu erzählen. Bei jeder Geschichte schlug ich die Bibel auf und zeigte Dumadi Stellen, an denen Jesus dasselbe sagte. Er war verblüfft.
Die Parallele entdecken
Dumadis Augen weiteten sich, als er sich gegen sein Kissen lehnte. «Kommt Jesus zurück, damit er in seinem Reich über alles herrschen kann?»
«Ja, aber sein Reich ist bereits errichtet worden. Wir müssen nicht warten.» Ich schlug ehrfürchtig die Evangelien auf und erzählte ihm mehr darüber, warum Jesus das erste Mal gekommen war.
«Er lehrte alles über das Königreich und liess sich schliesslich opfern, um uns von geistiger Knechtschaft und Scham zu befreien», sagte ich. «Aber er ist von den Toten auferstanden und bereitet einen Ort vor, an dem sein Volk für immer mit ihm leben kann.»
Nachdem Dumadi die Ähnlichkeiten zwischen dem, was er über den Raja Gembala gehört hatte, und dem, was die Bibel über Jesus Christus offenbarte, erkannt hatte, hing er an meinen Lippen und war ungeduldig, zu hören, was ich als Nächstes erzählen würde.
Dennoch schien er nie völlig überrascht zu sein, als ob die Samen der Wahrheit schon vor langer Zeit in ihm gesät worden wären. Während wir sprachen, wurde deutlich, dass Dumadi erkannte, dass der Raja Gembala, von dem er gehört hatte, im Vergleich zu Jesus verblasste.
Mit staunenden Augen sagte Dumadi: «Deshalb habe ich überlebt, damit ich Jesus nachfolgen und wirklich leben kann.»
Als wir gemeinsam beteten, liefen Dumadi und mir Tränen über das Gesicht.
Hoffnung weitergeben
Am nächsten Tag packte ich eine Bibel ein, um sie mit ins Krankenhaus zu nehmen, als Geschenk für Dumadi zu seiner Entlassung. Plötzlich hatte ich das Gefühl, ich sollte zwei mitnehmen. Als ich ankam, war Dumadi mit seiner Frau und seinem erwachsenen Sohn da, der sofort die zweite Bibel für sich beanspruchte.
«Ich kann es kaum erwarten, sie meiner Frau und meinen Kindern vorzulesen», sagte er.
Zwanzig Jahre lang hatte ich den Herrn gebeten, sich Dumadi zu offenbaren, aber ich hatte keine Ahnung, dass eine alte Legende meinen Freund zu seinem Sohn führen würde.
Eines Tages wird sich eine grosse Menge vor dem Thron versammeln, wo Männer und Frauen aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen den wahren König anbeten werden. Ich bete, dass Dumadi von Millionen aus seinem Volk umgeben sein wird, wenn Hinweise in ihrer Kultur sie dazu führen, allein Christus nachzufolgen.
Südostasien
