«So fühlt es sich also an, eine Sardine zu sein», sage ich mir. Ich bin in einer Menschenmasse eingequetscht, während die Hälfte der Bevölkerung dieser überfüllten Metropole gleichzeitig versucht, in diesen einen U-Bahn-Wagen zu steigen. Ich hebe meinen Rucksack hoch und stelle ihn auf meinen Kopf, um etwas mehr Platz zu schaffen.
Schweiss rinnt mir den Rücken hinunter – das erste Anzeichen für den Frühling.
«Seht! Der Winter ist vorbei, der Regen ist vorbei und verschwunden. Blumen erscheinen auf der Erde, die Zeit des Singens ist gekommen.» – Hohelied Salomos 2,11-12
Frühlingsgefühle…
Andere Anzeichen des Frühlings sind angenehmer. Die knospenden Bäume duften herrlich. Die Grünfläche vor unserer Wohnung verströmt einen satten Erdgeruch, während sich der Boden zu einer Mischung aus Gras und Unkraut öffnet.
Es mag so klingen, als sei hier alles wunderbar und schön und neu und strahlend – der Frühling ist da und das war's. Vielleicht denkst du: «Ich schaue die Nachrichten und weiss, was im Nahen Osten gerade abgeht. Ich sehe dort nicht viele strahlend glückliche Dinge geschehen.»
Du hast Recht.
…oder Krieg und Zerstörung
Es gibt Kriege und Verfolgung und Flüchtlinge – Millionen von ihnen im Nahen Osten. Das ist einer der Gründe für die überfüllten U-Bahnen. Meine ohnehin schon überfüllte Stadt schwillt täglich an, da immer mehr Flüchtende aus den Nachbarländern eintreffen.
Wann wird ihre Zeit des Leidens vorbei sein? Wann wird dieser Winter des Todes und der Zerstörung enden?
«Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu zerstören. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.» – (Johannes 10,10)
Hoffnung trotz Zerstörung und Elend
Ein Teil meiner Aufgabe hier besteht darin, mich auf das Leiden der Menschen einzulassen, um ihnen zu zeigen, wie Christus ihr Leben heilen und wiederherstellen möchte. Ich höre mir die Geschichten der Geflohenen an. Ich weine mit ihnen, höre mir ihre Sehnsüchte an und glaube an ihre Träume.
Ich weiss, dass der Frühling kommt. Ich kann fast schon seine süsse Brise riechen, während ich Gottes Wort mit meinen muslimischen Freunden teile, für sie bete und Jesus bitte, ihnen die Hoffnung auf seinen ewigen Frühling zu zeigen.
Naher Osten
